Heute beginnen wir mit der Silbenschrift Hiragana.

Bitte achtet darauf, dass Euer Browser japanische Schriftzeichen anzeigen kann.

Ich möchte Euch allerdings nicht nur eine Tabelle mit den einzelnen Silben aufzeigen (das gibt es schon zig mal), sondern auch erklären, wie man Schrift überhaupt lernt und wie Ihr die japanische Silbenschrift schnell, effektiv und vor allem richtig lernt. (Dafür habe ich diese Lektion mit einem Video ergänzt)
Weiter unten wird es eine kleine Hausaufgabe geben!

Zunächst solltet Ihr Euch einmal an Eure Grundschulzeit zurückerinnern. Die Lehrerin schrieb einen Buchstaben vor und die Schüler versuchten ihn nachzuschreiben. Da Buchstaben für Kinder noch keinerlei semantische Bedeutung haben, achten sie nur auf die Optik und dabei immer auf den ganzen Buchstaben. Kinder machen sich keine Gedanken darüber, dass ein Buchstabe aus einzelnen Strichen besteht, die in einer bestimmten Reihenfolge geschrieben werden sollten. Und so verhält es sich auch bei Erwachsenen, die eine neue Schrift lernen. Sie sehen das Zeichen als Ganzes und nicht als Zusammensetzung einzelner Elemente. Aber genau das ist wichtig für eine korrekte Wiedergabe der Zeichen. Auch im Japanischen geht es beim Erlernen der Schrift nicht darum, das Zeichen möglichst gut nachzumalen. Es geht vielmehr darum, die einzelnen Elemente, also die Striche, zu identifizieren und ihren Wert nachzuvollziehen. Das bedeutet, dass man bspw. auf ihre Richtung achtet.

Im Japanischen ist es noch viel mehr als im Deutschen wichtig, die richtige Strichreihenfolge zu beachten. Zwar sind kleine Abweichungen auch bei Japanern nicht unüblich, dennoch sollte man Folgendes beherzigen:

Traditionell wird das Japanische von rechts nach links und von oben nach unten geschrieben. Ein einzelnes Zeichen hingegen schreibt man von links nach rechts, aber von oben nach unten. Man beginnt also meist am höchsten Punkt und endet am tiefsten.
Ein Beispiel, dass die meisten von Euch wohl eher nachvollziehen können: im Französischen werden oft Apostrophs gesetzt. Man schreibt also zunächst den Buchstaben auf und hängt dann oben das Apostroph dran. Den „accent aigu“ (wie in é) z. B. zeichnet man dabei von unten nach oben.
Im Japanischen würde man das anders machen: mach würde zunächst den „accent aigu“, und zwar von rechts oben nach links unten zeichnen und darunter dann bspw. ein e setzen.

Diese Reihenfolge ist sehr wichtig und sollte von Anfang an eingeprägt werden.

Außerdem sieht man im Japanischen oft „Schweife“. Bspw. im Zeichen に. Im Grunde enthält dieses Zeichen drei Striche: den linken, von oben nach unten und in einem leichten Bogen, den oberen rechten, so ziemlich waagerechten und den unteren rechten, der waagerecht ist, aber links einen kleinen „Haken“ hat. Dieser Haken ist eine Art Überbleibsel von der kalligrafischen Schrift beim Übergang zur PC Schrift. Ich empfehle Euch, diese „Haken“ zunächst zu ignorieren, werde aber bei jedem Buchstaben noch einmal genau sagen, wie er geschrieben werden sollte. Die Schriftart, die ich benutze, hat solche Schnörkel, glaube ich, nur im に und im こ.
Und zu guter letzt: es ist nicht notwendig, die Striche langsam und exakt zu zeichnen. Ihr schreibt ein a im Deutschen ja auch einfach so hin. Versucht, Euch nicht zu sehr auf ein exaktes Abbild des Zeichens zu fixieren, sondern vielmehr auf die Richtigkeit der Strichreihenfolge und deren Platzierung im Zeichen. Stellt Euch dabei am besten immer ein hochkantes Rechteck um das Zeichen vor, in das das Zeichen reinpassen entweder von der Breite oder von der Höhe (es muss nicht immer beides sein) reinpassen muss.

Dann fangen wir doch mal mit der Hiragana Silbenschrift an:
(Schaut Euch hierzu das Video auf Youtube an, in dem ich die Zeichen vorschreibe und ausspreche)
(obere Reihe: Hiragana, untere Reihe: Umschrift Romaji)
Beachtet bei der Aussprache, dass das Japanische wesentlich weicher ist, als das Deutsche!

あ い う え お
a         i       u       e       o
Das sind die „Vokale“ der japanischen Sprache. Es sind, genau wie bei uns, fünf. Allerdings werden sie, im Gegensatz zum Deutschen, nicht so lang gezogen. Im Japanischen macht es nämlich durchaus einen Unterschied, ob eine eine Silbe kurz oder lang gesprochen wird. Lang gesprochen werden nämlich Doppellaute (zu der genauen Aussprache kommen wir aber später) und es gibt verschiedene Wörter, die dadurch fast gleich klingen, dass das eine einen Doppellaut hat und das andere nicht. Das sollte man wirklich nicht verwechseln. Wie genau die Vokale ausgesprochen werden wird wahrscheinlich deutlicher, wenn ihr Euch die nächsten Silben anschaut.

か き く け こ
ka      ki     ku     ke      ko
Das Japanische ist eine Silbensprache. Dadurch gibt es nur Laute, die entweder ein Vokal sind oder ein Konsonant + ein Vokal (Ausnahme: n, dazu später).
Das k wird genauso gesprochen, wie im Deutschen und die Vokale wie oben.
Das „ka“ kann man sich vorstellen wir im Wort „Kammer“. Das „ki“ wie das ie in „Kiesel“. Das „ku“ ist eine Mischung auch u und ü. Versucht mal den Laut u zu bilden, ohne den Mund dabei zu einem Kreis zu formen. Lasst den Mund einfach locker. Das „ko“ wird in etwa so gesprochen, wie in „komisch“, nur etwas kürzer.

さ し す せ そ
sa     shi     su      se      so
Das s ist im Japanischen stimmlos. Das „sa“ wird wie im englischen „summer“ gesprochen. Das „shi“ ist viel weicher, als das deutsche „sch“ und geht etwas mehr in Richtung „ch“ wie in „ich“. Es hört sich in etwa so an, wie wenn man versucht, Windgeräusche zu imitieren. Das „su“ hört sich so an wie im englischen „Susan“, nur eben mit dem besonderen „u“ Ton. Das „se“ ist wie in „self“. Und das „so“ hört sich an wie der Filmtitel „Saw“, nur wesentlich kürzer.

た ち つ て と
ta      chi    tsu     te     to
Das japanische t ist ebenfalls etwas weicher, als das deutsche. Sagt ein paar mal „t“ und merkt Euch, wo Eure Zunge dabei den Gaumen berührt. Jetzt schiebt ihr die Zunge ein Stückchen nach vorne, sodass die Spitze ganz leicht die Zähne berührt. So sprecht ihr „ta“, „te“ und „to“ aus. Das „ta“ wie in „Tasche“, das „te“ wie in „Text“ und das „to“ wie in „Tommy“. Das „chi“ ist wie das „shi“ viel weicher, als das deutsche Äquivalent „tschi“ wie in „Hatschi“. Versucht dabei, eine Mischung zwischen dem Trotzlaut „tse“ und dem „tschi“ zu finden. Fangt mit „tse“ an und nähert euch langsam dem „tschi“ an. Dazwischen liegt der weiche  Laut „chi“. „Tse“ ist im Übrigen so ziemlich die Aussprache von „tsu“. So, wie sich das „u“ hier anhört, wird es auch sonst gesprochen. Versucht, den letzten Laut bei „tse“ ganz lang zu ziehen (klingt ein wenig wie der Laut, den man macht, wenn man etwas eklig findet). Das ist in etwa das „u“.

な に ぬ ね の
na      ni      nu      ne     no
Der „n“ Laut im Japanischen ist ebenfalls weicher. Macht auch hier erstmal das deutsche n und schiebt dann die Zunge nach vorne, bis die Spitze die Zähne berührt. Das „na“ wie in „Nacht“, nur einen Tick kürzer. Das „ni“ ist wie in „niemand“. Das „nu“ ist so ähnlich wie in dem umgangssprachlichen „nix“ oder viel mehr „nüx“, aber eben ganz kurz. Das „ne“ ist wie in „nett“ und ähnelt vom Laut her mehr dem ä als dem e. Das „no“ klingt in etwa so wie in „neun“ nur kurz.

は ひ ふ へ ほ
ha      hi       fu      he     ho
Das „h“ klingt gehaucht, als würdet ihr ein Fenster anhauchen. Das „ha“ klingt entsprechend wie in „Hauch“, das „hi“ wie das englische „he“, das „fu“ (lasst Euch vom f nicht irritieren, es wird nicht wie das deutsche f gesprochen) wie im englischen „who“. Die Aussprache des „f“ erinnert daran, wie es sich anhört, wenn man eine Kerze auspustet und versucht, dabei möglichst nicht zu spucken. Oder vielmehr wie wenn man jemandem  ganz leicht ins Gesicht pusten würde, etwa um jemandem ein Haar aus dem Gesicht zu pusten. Eben ganz ganz sachte. Das „he“ ist wie ein „hey“, bei dem man mittendrin aufhört, also das y abschneidet. Das „ho“ ist wie in „Hoppe hoppe Reiter“, nur vom Mund her etwas geschlossener, als würde man das „Ho ho ho“ des Weihnachtsmannes mimen.

ま み む め も
ma     mi      mu    me     mo
Sagt ein paar das Wort Mama, nicht direkt hintereinander, aber zieht dabei das erste m etwas länger. Merkt ihr, dass ihr unbewusst, fast unmerklich, eine Art n Laut vor das m setzt? Wie bei dem „mmmh“, was man macht, wenn man nachdenkt. Das passiert im Deutschen ganz automatisch. Im Japanischen gehört vor das „m“ kein „n“ Laut. Versucht also, ein ganz klares „m“ zu machen.
Das „ma“ ist ansonsten wie in „Mama“, das „mi“ wie in „Miete“, nur ganz ganz kurz, das „mu“ wie eine Mischung aus „Mucke“ und „Mücke“, das „me“ wie in „Memme“, nur kurz und das „mo“ wie in „Motte“, aber kürzer.

や   ゆ   よ
ya                yu               yo
Das y wird gesprochen wie das deutsche j. Das „ya“ wie in „Ja“, nur kurz, wie man „ja“ sagt, wenn man etwas genervt immer wieder Fragen mit „ja“ beantwortet. Das „yu“ ist wie im englischen „you“, allerdings ohne, dass man den u Laut zu ende führt. Also ein in der Mitte unterbrochenes, kurzes „you“. Das „yo“ wie das umgangssprachliche deutsche „jo“, das als Koseform von „ja“ benutzt wird, vielleicht mit einem etwas geschlosseneren Mund.

ら り る れ ろ
ra      ri      ru      re      ro
Das „r“ ist im Japanischen weder gegurgelt (wie im Deutschen) noch gerollt (wie z. B. im Russischen). Es ist auch kein englisches „r“. Ich versuche es mal kurz „anatomisch“ zu erklären. Um das japanische „r“ auszusprechen, müsst ihr zunächst etwas anderes üben. Macht ein „dahin geworfenes“ „da“ (wie in „Da hast dus und jetzt hau ab“). Versucht Euch genau die Stelle zu merken, an der sich Eure Zunge am Gaumen befindet. Jetzt macht ein l, wie in „lachen“. Dabei wird Euch die Zunge ein kleines Stück nach hinten rutschen. Geht noch mal zurück zum „d“, merkt Euch die Stelle und versucht das „l“ noch einmal und diesmal bleibt Ihr mit der Zunge an genau der Stelle. Das ist in etwa das japanische „r“.
Versucht, das in den folgenden Wörtern enthaltene deutsche „r“ durch das eben geübte japanische zu ersetzen.
Das „ra“ ist wie in „Ranzen“. Das „ri“ wie in Riese, nur mit einem sehr kurzen ie. Das „ru“ ist eine Mischung aus „Rücken“ und „Ruck“. Das „re“ ist wie in „recken“. Das „ro“ ist wie in „Roboter“, nur sehr kurz.

わ       を
wa                                 wo
Das „w“ in „wa“ klingt wie das englische „w“. „Wa“ klingt so, als würdet Ihr „wacker“ mit einem englischen „w“ sagen (klingt wie das waka in Shakiras Song „Waka Waka“).
Das „wo“ wird in etwa wie das deutsche „wo“ gesprochen, nur mit einem englischen „w“.


n
Das „n“ ist der einzige einzelne Konsonant im Japanischen.
Versucht mal, ganz wie im Musikunterricht, ein schönes „m“ zu singen. Versucht dabei, die Zähne fast zusammen zu halten. Also nicht ganz aufeinander pressen, aber berühren sollten sie sich ein wenig. Die Zunge sollte sich anfühlen, als würde sie den ganzen Mund füllen. Jetzt summt ihr ein „m“ und nehmt dabei die Lippen auseinander. Das ist etwa das japanische „n“.
Es gibt das „n“ aber auch in einer anderen Variation. Macht noch einmal das „m“, aber diesmal dürfen sich weder die Zähne berühren, noch die Zunge irgendwo drankommen. Ein „m“ mit einem „hohlen“ Mund also. Versucht jetzt, daraus ein „n“ zu machen. Dabei sollte die Zunge ganz hinten an den Gaumen rutschen und sich anhören, wie im englischen „wrong“ das Ende. Dieser „ng“ Laut kommt ebenfalls häufig als „n“ Laut im Japanischen vor.

Diese Silben solltet Ihr also als erstes auswendig lernen.

So, das war also die Silbensprache Hiragana. In der nächsten Lektion werden wir die Ergänzungen zu diesem Alphabet durchgehen, aber für den Anfang ist das schon mal eine ganze Menge zu lernen. Vor allem natürlich die Aussprache, die muss geübt werden. Lasst mich an dieser Stelle noch einmal das Youtube Video erwähnen, in dem ich die Zeichen aufschreibe und ausspreche. So sollte es Euch leichter fallen, zu üben.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es Unterschiede in der Betonung von Silben gibt. Im Deutschen wird sehr häufig die erste Silbe betont (Boden, Flasche, Haustür, Küche, umweltfreundlich, aussortieren etc.), aber auch die zweite (rasieren, zurückgeben, behalten etc.). Im Japanischen gibt es eine solch explizite Betonung nicht. Jede Silbe wird in etwa gleich stark betont. Überbetont werden meist nur die Silben, die der Verdeutlichung dienen (z. B. symbolisiert ein か am Ende eines Satzes eine Frage und wird entsprechend mehr betont und die Intonation geht nach oben). Außerdem gibt es im Japanischen keine auffällige Intonation. Das Deutsche ist sehr melodisch. Man „singt“ geradezu die Sätze. Probiert es mal aus. Könnt Ihr diesen Absatz lesen, ohne dabei ab und zu mit der Stimme runter oder rauf zu gehen? Das Japanische kommt im Grunde ohne dieses Rauf und Runter aus. Wenn Ihr also japanische Texte lest, versucht „monoton“ zu lesen, in einer Tonlage. Im Gespräch mit anderen fallen natürlich einige Intonationen an, aber das Japanische ist auch hier sehr eigen, daher versuchen wir zunächst, ohne Intonation zu sprechen.

In diesem Artikel findet Ihr einige Tipps, wie Ihr die Silbenschrift leicht und spielerisch lernen und außerdem schöner schreiben könnt.

Und weil es sich mit Hausaufgaben effektiver lernt, hier ein paar Aufgaben:

1. Hier stehen japanische Wörter in Hiragana. Formt sie in die Umschrift Romaji um. (Die Bedeutung der Wörter könnt ihr gerne nachschlagen – in Eurem Wörterbuch, falls Ihr eines habt oder bei Wadoku)

ねこ
いぬ
くるま
いす
そら
いえ
へや
てん
なまえ

2. Hier stehen einige Wörter in der Umschrift Romaji. Schreibt die Wörter in Hiragana auf.
(das ganze Wort und in Klammern die einzelnen Silben)

anata (a na ta)
genki (ge n ki)
niwa (ni wa)
tonari (to na ri)
mori (mo ri)
hito (hi to)
tsuchi (tsu chi)
kuchi (ku chi)

3. Am Ende dieses Videos spreche ich einige Wörter auf Japanisch. Hört genau hin und schreibt sie sowohl in Umschrift, als auch in Hiragana auf.

Video auf Youtube

Lösungen in der nächsten Lektion!

Viel Spaß!

Toni

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