Die Lösungen zur letzten Lektion sind ganz unten.

In der ersten Lektion haben wir die 45 „Grundsilben“ der japanischen Sprache in der Schrift Hiragana gelernt. Aus diesen Grundsilben lassen sich weitere Silben formen, die die Phonetik der japanischen Sprache etwas vielfältiger machen. Im Grunde kann man sagen, dass es drei mögliche Erweiterungen der Grundsilben gibt:

Die erste Möglichkeit ist es, aus einem stimmlosen Konsonanten (etwa einem „t“) einen stimmhaften zu machen (in diesem Fall ein „d“). Dies funktioniert, in dem man neben die Hiraganasilbe rechts oben zwei kurze Striche, im Japanischen auch „てんてん“ (was Ihr ja jetzt lesen könnt), hinzufügt. てん bedeutet „Punkt“ oder bezeichnet einen sehr kurzen Strich.
Die zweite Möglichkeit ist, einen Kreis, im Japanischen „まる“, an Stelle der beiden Striche zu setzen. Dies macht man lediglich bei einem Konsonanten, nämlich dem „h“. Denn aus einem „ha“ z. B. kann sowohl ein „ba“ (mithilfe von zwei Strichen) oder ein „pa“ (mit einem Kreis) entstehen. Wie das genau aussieht, seht Ihr weiter unten.
Die dritte Möglichkeit, und die von den dreien wohl am schwierigste, besteht darin, die Silbe mit einem der Laute aus der „y“-Reihe zu ergänzen. So könnte man aus einem „mi“ und einem „ya“ z. B. ein „mya“ machen. Dabei nimmt man immer die „i“-Silbe einer Reihe „z. B. ki, mi, ri etc.) und ergänzt diese mit einer Silbe der „y“-Reihe (ya, yu, yo), wobei diese kleiner geschrieben wird. Diese Unterscheidung ist essentiell wichtig, daher sollte man immer genau auspassen, wann eine Silbe groß geschrieben wird und wann nicht.

Die Erklärung klingt zunächst vielleicht etwas kompliziert, aber ich denke, wenn Ihr die Tabelle unten seht, wird es etwas klarer:

Stimmloser Konsonant –> stimmhafter Konsonant

か –> が  und   き –> ぎ  und   く –> ぐ  und   け –> げ  und   こ –> ご
ka –> ga            ki –> gi           ku –> gu         ke –> ge           ko –> go
Das „g“ wird im Japanischen ein wenig nasaler gesprochen, als im Deutschen.
Haltet Euch beim Üben der Aussprache einfach die Nase zu, das wirkt zwar ein wenig albern, aber erfüllt seinen Zweck. Heraus kommt ein weicher „g“-Laut.

さ –> ざ  und   し –> じ   und  す –> ず  und   せ –> ぜ  und   そ –> ぞ
sa –> za          shi –> ji           su –> zu           se –> ze            so –> zo
Das stimmhafte s der Japanishen, das „z“, wird nicht wie z. B. in „Sonne“ gesprochen, sondern vielmehr wie in „Zombie“, mit einem kurzen „d“-Laut davor. Das „ji“ ist etwa wie in „Jeans“, nur ein wenig weicher.


た –> だ  und    –>   und    –>   und    –>   und    –> 
ta –> da          chi –> ji           tsu –> zu          te –> de           to –> do
Das „d“ wird im Prinzip wie im Deutschen gesprochen, nur ein wenig weicher. Das erreicht Ihr, wenn Ihr die Zunge ein kleines Stück mehr nach vorne schiebt (wie beim „t“, sodass die Zungenspitze die Zähne ganz leicht gerührt). Das „ji“ und das „zu“ werden gesprochen wie oben.


 –>   und    –>   und    –>   und    –>   und    –> 
ha –> ba           hi –> bi            fu –> bu           he –> be            ho –> bo
Das „b“ ist ein klein wenig schwächer, als unser „b“. Während wir im Deutschen die Lippen recht stark zusammenpressen, entsteht der japanische Laut, wenn man die Lippen ganz normal aufeinander hat.


h –> p

 –>   und    –>   und    –>   und    –>   und    –> 
ha –> pa            hi –> pi           fu –> pu           he –> pe          ho –> po
Das „p“ unterscheidet sich nicht vom deutschen „p“.


Beachtet:
Die Romaji-Umschreibungen der Silben じ und ぢ, aber auch ず und づ werden gleich geschrieben. Das liegt daran, dass man phonetisch eigentlich keinen Unterschied zwischen den Lauten hört. Schriftlich wird die Unterscheidung folgendermaßen begründet: im Japanischen werden Wörter, wie auch im Deutschen, häufig aus einer Kombination von Wörtern gebildet (deutsches Beispiel: Wasserfarben). Im Japanischen kommt es dabei oft vor, dass eine kleine Lautverschiebung stattfindet (dies dient in erster Linie einer einfacheren Aussprache) und aus einem „shi“-Laut ein „ji“-Laut wird. Um diese Veränderung schriftlich festzuhalten, wird aus dem stimmlosen Konsonanten schlicht ein stimmhafter gemacht, mithilfe von zwei kleinen Strichen. Daher macht es durchaus einen Unterschied, ob ein „shi“ stimmhaft gemacht wurde oder ein „chi“. Denn der Wortstamm verändert sich nicht, sondern nur der Laut am Ende. Solltet Ihr also ein Wort im Wörterbuch nicht finden, könnte es sein, dass Ihr nach der falschen Silbe sucht.

Somit hätten wir auch schon alle Konsonanten abgedeckt, die es im Japanischen gibt.
Die Kombination mit der „ya“-Reihe kann sowohl mit allen Konsonanten der letzten Lektion, als auch mit den in dieser Lektion genannten Konsonanten gebildet werden.
Von der Aussprache kann man sich das so vorstellen, dass zwischen die „a“-, „u“- und „o“-Silben der jeweiligen Konsonanten ein deutsches j geschoben wird, sodass Laute wie das deutsche „tja“ entstehen (wobei es den Laut „tja“ im Japanischen nicht gibt). Sprich: zwischen das „ka“ wird ein deutsches j geschoben und es entsteht ein „kja“ oder in Umschrift „kya“, wobei das „j“ wesentlich flüssiger und weniger zu hören sein sollte, als in „tja“. (So könnt Ihr alle unten aufgeführten Silben handhaben, bis auf die, die ich extra ergänze.)
Achtet darauf, dass die zweite Silbe immer kleiner geschrieben wird, als die erste. Versucht beim Schreiben am besten, sie halb so klein zu machen. Die Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil „kiya“ (きや) z. B. zwei ganz andere Laute sind als „kya“ (きゃ). Es gibt Wörter, die sich deswegen sehr ähnlich sind, aber völlig verschiedene Bedeutungen haben. (りゅう z. B. bedeutet „Drache“, りゆう hingegen bedeutet „Grund“)

きゃ きゅ きょ
kya     kyu     kyo

ぎゃ ぎゅ ぎょ
gya     gyu     gyo

しゃ しゅ しょ
sha     shu     sho
Diese drei Silben werden gesprochen wie „scha“, „schu“ und „scho“, wobei das „sch“ nicht so hart ist, wie im Deutschen. Ihr kennt das sicher, wenn man zu jemandem „sssch“ macht, damit dieser leise ist. Das ist ein harter Laut. Beim „sch“ befindet sich die Zungenspitze am oberen Gaumen. Kontrolliert das mal. Für das japanische „sh“ muss die Zunge aber nach unten, ein winzig kleines Stück vor die unteren Zähne.

じゃ じゅ じょ
ja       ju       jo
Das „j“ bzw. die „j“-Laute werden wie das j im englischen „job“ gesprochen, aber wieder etwas weicher. Mimt noch einmal den o. g. „sh“-Laut nach und versucht daraus ein „dsch“ zu machen, ohne, dass die Zungenspitze sich weg bewegt (der Rest der Zunge darf natürlich wo anders hin).

ちゃ ちゅ ちょ
cha     chu    cho
Auch beim „ch“ befindet sich die Zungenspitze unten (im Gegensatz zum Deutschen, wo sie sich z. B. beim „Chacha“ oben befindet).

ぢゃ ぢゅ ぢょ
ja        ju        jo
S. o.

にゃ にゅ にょ
nya     nyu     nyo

ひゃ ひゅ ひょ
hya     hyu     hyo

びゃ びゅ びょ
bya     byu     byo

ぴゃ ぴゅ ぴょ
pya     pyu     pyo

みゃ みゅ みょ
mya     myu    myo

りゃ りゅ りょ
rya     ryu     ryo

Wie Ihr bei den Kombinationsmöglichkeiten gesehen habt, kann man im Japanischen Silben auch klein schreiben, wenn dies notwendig ist. Und im Grunde kann man das mit jeder Silbe machen.
Häufig benutzt werden auch die kleineren Versionen der Vokale, etwa: ぁ, ぃ, ぅ, ぇ, ぉ.
Diese finden aber vielmehr in der Katakana-Silbenschrift Verwendung, auf die wir erst später eingehen werden.

Doppellaute:

Wichtig für die nächsten Lektionen ist aber zunächst folgende Silbe:
das kleine つ, geschrieben っ, wird benutzt, um einen Doppellaut kenntlich zu machen.
Wie bspw. in そっと. Der Doppellaut ist immer die Silbe, die hinter dem っ steht, hier also das „to“. Gesprochen werden Doppellaute, als würde man vor dem Doppellaut eine kurze Pause machen bzw. stocken. Das hört sich ein wenig so an, als würde man jede die Silbe mit dem Doppellaut einzeln aussprechen. Ansonsten gilt die selbe Regel, wie im deutschen: der Vokal vor einem Doppellaut wird stets kurz gesprochen.

Eine Art Doppellaut erzeugt man auch, wenn man einen Vokal doppelt.
いい (gut) z. B. wird dabei nicht wie ein langes „i“ gesprochen, sondern, wie zwei „i“s hintereinander. Sie werden aber keinesfalls separat gesprochen, sondern „ineinander fließend“. Vokale Doppellaute sind meist auch nicht mehr als eben solche und kommen nur selten in Kombination mit Konsonanten vor.
Mehr später im Video.

Verlängerungen:

Eine weitere Besonderheit ist die Kombination えい. Sie wird nicht etwa „ej“ gelesen, sondern wie ein langes japanisches „e“. Das „i“ hat dabei die selbe Funktion, wie im Deutschen das e in „ie“ (Brief) oder das h (Bahn). Achten sollte man darauf, ob das えい wirklich zu einer Silbe gehören, oder ob es sich um eine Zusammensetzung zweier Wörter handelt, wobei das erste mit „e“ endet und das zweite mit „i“ beginnt.
In diesem Kurs gehe ich immer vom Ersteren aus und werde notieren, falls es sich um Zweiteres handelt.

Um eine Verlängerung handelt es sich auch oft beim おう oder うう.
Vor allem das „uu“ ist leicht mit dem Doppellaut „uu“ zu verwechseln. Dabei macht das „u“ als Verlängerung lediglich den Laut vor ihm länger. Ein „ou“ wird also „ooooh“ gesprochen, ein „uu“, „uuuuh“.
Die Unterscheidung ist aber einfach: während vokale Doppellaute meist alleine, also ohne Konsonanten stehen, werden die Verlängerungen meist mit Silben verwendet, die einen Konsonanten enthalten.
Beispiele:
こう wäre ein „kou“, also ein „ko“ mit langem „o“.
ぎょう wäre ein „gyou“, also ein „gyo“ mit langem „o“.
きゅう wäre ein „kyuu“, also ein „kyu“ mit langem „u“.

Eine weitere Art der Vokalverlängerung ist das folgende Zeichen: ー
Es handelt sich hierbei eigentlich bloß um einen Strich – einen Verlängerungsstrich natürlich – was ironischerweise im Vergleich zu den anderen Besonderheiten unglaublich simpel klingt. Warum, so könnte man sich fragen, verwendet man statt all dem oben Genannten nicht einfach immer diesen Strich? Und hier liegt der Haken: wieso das so ist, das kann ich Euch nicht beantworten, aber dieser Strich wird fast ausschließlich in Verbindung mit Katakana verwendet. Das bekannteste und vorerst auch das einzige Beispiel, was Euch für eine Verbindung mit Hiragana begegnen wird, ist らーめん. Ein eher untypisches Wort, phonetisch gesehen, gibt es im Japanischen doch so selten andere verlängerte Vokale als „o“ und „u“. Doch Ramen ist eine in Japan beliebte Speise, eine durchaus japanische Speise, und so wird sie auch japanisch geschrieben. Nur eben mit einem Verlängerungsstrich.

Dies alles sollte man wissen, um beim Lesen und Schreiben später keine Probleme zu haben.
Hier im Video findet Ihr noch mal die Handschrift und Aussprache.

Aber werdet jetzt bloß nicht deprimiert! Wird sind erst am Anfang und da kommt natürlich vieles auf einem zu. Viel Neues, vor allem, und auch viel Ungewohntes. Doch ich kann Euch beruhigen: wenn Ihr diese Grundlagen erst einmal drauf habt, wird der Rest gar nicht mehr so schwierig.
(Es ist wie mit dem, leider sehr unbeliebten, Beispiel Mathematik: wenn man von Anfang an keine Lücken zulässt, kommt man völlig problemlos zum Abitur. Verliert man aber einmal den Anschluss, kommt man sehr wahrscheinlich nicht mehr wieder richtig rein. Der Vorteil eines Online-Kurses ist natürlich, dass Ihr jederzeit nachschlagen könnt oder auch nachfragen.)

Die Hausaufgaben zum nächsten Mal:

1. In Umschrift aufschreiben:

てがみ
だいたい
のぼる
じしょ
なぜ
ずっと (Doppellaut)
けいと (langes e)
どうき (langes o)
じぎょう (langes o)
みょうじ (langes o)

2. In Hiragana aufschreiben:

chizu (chi zu) (das von su)
boushi (bou shi) (langes o)
buta (bu ta)
dokusho (do ku sho)
gengo (ge n go)
gyaku (gya ku)
denchi (de n chi)
bunpou (bu n pou) (langes o)
eigyou (e i gyou) (langes e, langes o)
gyuunyuu (gyuu nyuu) (langes u)

3. Zuhören und in Hiragana und Umschrift notieren:

Video auf Youtube

4. Folgende Wörter nachschlagen (z. B. bei Wadoku) und lernen:

Wort (Katakana oder Kanji)
Sucht nach den Wörtern und vergleicht die Kanji mit denen in den Klammern, damit Ihr auch die richtigen Wörter findet. Ihr braucht erst einmal nur die Hiragana zu lernen. Zu den Kanji kommen wir später.

いま (今)
ひ (日)
わたし (私)
あなた
げんき (元気)
なに (何)
する
てれび (テレビ)
ほん (本)
よむ (読む)
いい
じゃあ
また

Diese Übung soll (noch) nicht dem Erlernen von Kanji dienen, sondern primär helfen, den Umgang mit Wörterbüchern zu trainieren. Ihr werdet bemerken, dass einige Wörter in Hiragana mehrmals auftauchen und auch durchaus unterschiedliche Übersetzungen haben können. Das passiert (leider) sehr häufig und darauf muss man vorbereitet sein, bevor man etwas Falsches sagt. Natürlich soll Ihr aber auch Eure ersten Vokabeln lernen. Mit ihnen werden wir in der nächsten Lektion unseren ersten Dialog führen und erste Grammatik kennen lernen. Ich versuche, einen möglichst realistischen Dialog aufzubauen, der nicht mit „Hajimemashite“ beginnt und mit „Yoroshiku onegaishimasu“ endet. Ich gehe in diesem Kurs davon aus, dass Dialoge der Bewältigung echter Gespräche dienen sollen und glaube nicht, dass es sich mit „Guten Tag. Freut mich Sie kennen zu lernen. Auf Wiedersehen.“ getan hat. Vielmehr sollten Gespräche, die mit „Freut mich, Sie kennen zu lernen“ beginnen, auch weitergeführt werden. Daher lernen wir erst, Gespräche zu führen und ergänzen die Floskeln ganz nebenbei. Letztendlich ist die Anzahl der im Alltag tatsächlich gebrauchten Begrüßungsfloskeln überschaubar genug, dass man sie auch einfach aufschnappen könnte.

Viel Spaß!

Toni

Nächste Lektion: Lektion 3.

Advertisements