Seit einem Bericht im Fernsehen lese ich immer wieder von der sogenannten „24-Stunden-Diät“. Sie soll keine Wunder wirken, aber in Kombination mit viel körperlicher Anstrengung in nur 24 Stunden bis zu zwei Kilo verschwinden lassen.

Da ich mich sehr für Ernährung interessiere und immer wieder neue (und hoffentlich gesündere) Methoden ausprobiere, bin ich gegenüber solch großen Versprechungen natürlich skeptisch. Bevor es also ans Probieren geht, gilt es, die Diät theoretisch und im Bezug auf aktuelle Kenntnisse bezüglich des menschlichen Körpers und des Stoffwechsels zu prüfen. Kann eine solche Diät funktionieren und wenn ja, wie, wieso und in welcher Form?

Vielen sollte bekannt sein, dass Abnehmen (rudimentär gesagt) eine Sache von Aufnahme und Verbrauch von Kalorien ist. Verbraucht man mehr, als man zu sich nimmt, nimmt man ab. Verbraucht man weniger, nimmt man zu. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn nicht alles, was wir aufnehmen, lagert der Körper sofort in Form von Fett ein, nicht jedes Fett landet als unangenehmes Pälsterchen an Hüfte, Bauch oder Po. Und nicht alles, was wir abnehmen, ist tatsächlich das, was wir abnehmen wollen.

Um Fett zu verbrennen, braucht der Körper Energie. Das mag zunächst komisch klingen, ist Energie doch nicht anderes als Kohlenhydrate. Kohlenhydrate sind das, was der Körper als erstes verwertet, und zwar, weil es am schnellsten und einfachsten geht. Wie jeder weiß ist der Verbrauch von Kalorien mit körperlicher Anstrengung, ganz gleich wie gering, verbunden und damit der Körper sich anstrengen kann, braucht er Energie. So entsteht der Zusammenhang. Es gibt also kein Abnehmen, ohne Energie zu sich zu nehmen.

Hat man dann Energie getankt und macht sich ans freudige Schwitzen, denkt der Körper im ersten Moment an alles andere, bloß nicht ans Verbrennen von Fett. Denn auch, wenn er jetzt Energie hat – der Körper macht es sich leicht und verwertet erst das, was einfach zu verwerten ist. Zunächst die oben genannten Kohlenhydrate und mit ihnen: Wasser. Bevor der Körper sich die doch recht schwer zu spaltenden Fettzellen vornimmt, greift er auf den Wasserhaushalt zurück. Eine kurzlebige und doch leicht abzubauende Energiequelle. Doch auch nachdem er sich am Wasser vergangen hat, möchte der Körper, während wir uns abrackern, gemütlich vor sich hin verbrennen – und zwar am liebsten Eiweiß. Hier wird es kritisch: den die schnellste Eiweißquelle ist die Muskulatur. Es ist also nicht nur wichtig vor dem Sport Kohlenhydrate aufzunehmen, sondern auch ans Eiweiß zu denken, damit der Körper keine Muskeln abbaut.

Und erst jetzt, wenn der Körper merkt, aus Kohlenhydraten, Wasser und Eiweiß ist nichts mehr rauszuholen, da bleibt ihm keine andere Wal als die Fettzellen anzugreifen. Und weil das ja ach so anstrengend ist reagiert der Körper zunächst mit Hunger.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten etwas essen. Vor Ihnen stehen zwei Tische: auf dem einen die Zutaten für ein unglaublich leckeres 5-Sterne-Gericht Ihrer Wahl und auf dem anderen das fertige Gericht, gekocht von einem 5-Sterne-Koch Ihres Vertrauens. Na? Wo greifen Sie zu?

Ihr Körper wird also jaulen und betteln, Ihr möget ihn doch bitte von seinem Leid, dem Zerlegen der hart zu knackenden Fettzellen, erlösen. So, wie Sie sich vielleicht zum Sport durchringen müssen, ringt der Körper nun mit dem Fett. Und hier heißt es leider für Sie: durchhalten und nicht nachgeben.

Aus dieser Tatsache heraus gibt es für die Wirkung der 24-Stunden-Diät natürlich nur eine Beurteilung: sie wirkt, jedoch nur bei konsequenter Einhaltung. Und überhaupt würde ich sie gar nicht als Diät bezeichnen, sondern also kurzweilige Ernährungsumstellung zum Zweck einer schnellen und effektiven Gewichtsreduzierung.

Und die Grundidee der „Diät“ lässt sich weiterführen. Aus ihr kann man eine Ernährungsform generieren, die jeden Tag die bestmögliche Bilanz aus Aufnahme und Verbrauch ermöglicht. Aber dazu später mehr.

Meine Diät begann am Samstag Abend mit einem Ausgangsgewicht von 56,8 kg. Laut Anleitung sollte man bis abends normal essen und auch genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen – diese sind nämlich von da an strengstens verboten! Nach dem Abendessen folgt die erste Sporteinheit. Da ich am Wochenende etwas krank war und mich nicht überanstrengen wollte, entschied ich mich für ein kurzes, aber effektives Workout: ich joggte eine Viertelstunde, danach machte ich mehrere Einheiten Situps, Kniebeugen und Seilspringen ohne Seil. Auch wenn die Diät andere Formen von Sport vorschreibt, bin ich kein großer Fan von Ausdauersport und ziehe daher den Workoutsprint vor. Welche Effekt das hat finde ich später heraus. So oder so sollen bald nach der Sporteinheit eine besonders eiweißreiche Mahlzeit und viel, viel Wasser zu sich genommen werden. Das macht Sinn: denn wir müssen das, was der Körper sich während des Sports genommen hat, wieder nachfüllen.

Nach einer guten Ladung Schlaf, die meine leichte Erkältung allerdings nichts hat verschwinden lassen, stellte ich mich erneut auf die Waage: 56,2. Eine zunächst gute Bilanz. Danach gab es ein eiweißreiches und sehr Ei-lastiges Frühstück. Ich bin leider kein großer Fan von Eiern. Aber gut, es soll ja nicht zwangsläufig schmecken. Wenns das tut, umso besser. Den Tag über sollen noch zwei größere Mahlzeiten und ein Snack eingenommen werden. Daneben steht wieder eine Sporteinheit an, die ich allerdings krankheitsbedingt nicht ausführen konnte. Stattdessen hielt mich der Hausputz aber gut auf trab. Laut Diät sollten nicht mehr als 800 kcal eingenommen werden. Das halte ich bei der körperlichen Anstrengung, die vorgeschrieben ist, für etwas zu wenig und ging daher von 1000 kcal aus, auch wenn ich mich bei weitem nicht genug körperlich verausgabt habe. Den Tag über fühlte ich mich noch recht gut, abends allerdings überfiel mich ein sehr starkes Hungergefühl. Da aß ich meinen Snack, Quark mit einigen Beeren. Quark macht satt und ist als Magerstufe auch sonst für einen Snack zwischendurch ideal.

Die zweite Nacht war wenig berauschend. Ich hatte am Tag zuvor Unmengen an Wasser getrunken und musste mehrmals aufs Klo. Zudem bemerkte ich jedes Mal ein wenig Hunger. Da ich am Tag zuvor keinen richtigen Sport gemacht hatte, beschloss ich, die Diät in etwas abgeschwächter Form einen weiteren Tag fortzuführen. Das bedeutete: etwas Honig hier, ein bisschen Obst da…

Am Montag Morgen wog ich 55,9 Kilo. Stattlich, dachte ich, ließ mich aber nicht täuschen. Natürlich waren da nicht 900 g Fett verschwunden, sondern einiges an Wasser und evtl. auch ein wenig Muskelmasse, was ich aber nicht hoffte. Dieser Verdacht würde sich auch noch bestätigen. Den Tag über wurde etwas mehr gegessen, knapp 1400 kcal, ca. Außerdem stand ein langer Spaziergang im Wald an – Pilze sammeln und zum Mittagessen verarbeiten. Gewissermaßen zählt das als Sporteinheit, wenn auch eine eher ruhige.

Am Dienstag Morgen stand ich wieder auf der Waage: 56,2. Aha. Und auch Mittwoch Morgen waren es noch 56,2. Heute morgen waren es sogar 56,0, dabei habe ich gestern Abend Chips genascht. Nun gut, halten wir also fest: effektiv habe ich ca. 600 g verloren – und da diese dauerhaft wegblieben kann man sagen, dass es sich um ca. 600 g Fett handelt. Das ist in etwa die Menge, die man bei einer guten Diät in einer Woche verliert.

Mein Fazit: die 24-Stunden-Diät kann, bei wirklich guter Disziplin, sicher dazu verhelfen, dass man (Freitag angefangen) am Samstag Abend in ein minimal zu enges Kleid passt, die Hose etwas weniger spannt oder der Bauch unter der Bluse etwas flacher wirkt. Ein Wunder ist sie allerdings nicht. Zudem ist es nicht ganz einfach, das gute alte Müsli am Morgen durch etwas anderes zu ersetzen und die geringe Kalorienzahl ist auch nicht ganz einfach zu verkraften. Man sollte auf jeden Fall topfit sein und höchst motiviert. Dann lohnt sich die vermeidlich kurze „Qual“ auch. Wichtig ist auch, dass man sich am Tag nach der Diät nicht wie ein hungerndes Vieh auf alles Essbare stürzt. Auch nach der Diät ist ein wenig Disziplin angesagt. Zwar wirbt man damit, dass kein Jojo-Effekt zu erwarten ist, doch was ist schon der Jojo-Effekt? Es ist das Resultat von einer in den eigenen Augen harmlosen „Fressattacke“, die auf Tage oder Wochen des gnadenlosen Verzichts folgt. Und wenn man nach der 24-Stunden-Diät prompt findet, dass man sich jetzt doppelt so viele Kohlenhydrate leisten kann, dann helfen auch die besten Versprechen nichts.

Mein Tipp: lieber jetzt schon mit einer gesunden und befriedigenden Ernährungsumstellung anfangen, als später in letzter Sekunde an ein paar hundert Gramm zu verzweifeln.

Und was sich aus der Diät mitnehmen lässt:

Morgens genügend Kohlenhydrate, um energiegeladen in den Tag zu starten und viele Ballaststoffe, um lange satt zu bleiben. Mittags einen Mix aus Kohlenhydraten und Eiweiß, um weiterhin Energie parat zu haben und gleichzeitig die Muskulatur zu füttern und für Sättigung zu sorgen. Und Abends einen Eiweißkick mit wenigen Kohlenhydraten, damit der Körper über Nacht genügend zu tun hat, aber eben nicht mit Kohlenhydraten. Und auch wenns schwer fällt: lieber morgens 5 Minuten früher aufstehen und sich ein reichlich mit Gemüse belegten Vollkornbrot und etwas Gemüse und Obst einpacken, als in der Mittagspause hastig zur nächsten Ecke zu rennen und sich Fastfood reinzuziehen. Ihr Körper wird es Ihnen danken!

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