Ja, richtig, ein Sonntagnachmittag. Ein Sonntagmittag, ehrlich gesagt, es war 14:15, als der Film begann. Als ich von der Neuverfilmung gehört hatte, war ich zunächst skeptisch. „Noch eine Musketierverfilmung?“ – und ich war nicht die Einzige, die so dachte. Wir haben schon viele Versionen gesehen, das Thema ist mehr oder minder ausgelutscht und unspektakulär, die Geschichte begannt, die Charaktere irgendwie überholt und die Moral passt auch nicht so recht ins postmoderne Zeitalter der sensationsgierigen Gaffer und Filmemacher, die dem Rock’n’Roll seinen Präfix „Sex, Drugs -“ geklaut und ins eigene Geschäft integriert zu haben scheinen, allerdings mit dem Suffix „Action“.

Kurz: ich bin vom Filmgeschäft in den letzten Jahren mehrfach enttäuscht worden, trotz einiger ausgefallener Geschichten wie „Benjamin Button“, „Inception“ (ein Kracher!), „Kick-Ass“ (brachte an nicht nur einem Abend Lacher) oder dem letzten Harry Potter, der mich, zumindest im Vergleich zu den vorigen Filmen, echt von den Socken gehauen hat. Wahre Kinolustkiller waren dagegen so Geschichten wie „Tron“ oder die Twilight-Reihe, „Kampf der Titanen“ oder „Bad Teacher“.

Dennoch versuche ich es immer wieder und diesmal war ich wirklich neugierig. Einige Tage, nachdem ich von der Neuverfilmung erfahren hatte, kam mir die Idee, dass doch wirklich niemand dämlich genug sein könnte, einen Klassiker zum x-ten Mal einfach nur zu verfilmen. Da musste mehr dahinter stecken. Niemand kann es sich leisten einen großen Namen zu nehmen und nichts hinein zu packen. Oder?

Die Kritiken klangen zunächst vernichtend: keine Story, falscher Produzent, Macken an allen Ecken und Kanten. Allerdings erwähnten einige Berichte die Idee, der Film hätte als „Scherz“ ganz gut bestehen können. Die Neugierde siegte und Sonntag ging es dann auf ins Kino.

Tatsächlich glaube ich, nachdem ich den Film einige Tage auf mich habe wirken lassen, dass er ganz und gar als Parodie der Geschichte und vor allem des Genres gemeint ist. Wieso sonst interpretiert man die Musketiere als nichtsnutzige Säufer, die sich, statt den König zu beschützen, lieber auf der Straße prügeln oder (für die Zeit zugegeben sehr untypischen) niederen Berufen, wie denen einer Politesse, nachgehen? Hinzu kommt, dass jeder eine Schusswaffe zu besitzen scheint, Da Vinchi hat ein fliegendes Schiff erfunden, deren Pläne natürlich in die Hände des Bösewichtes fallen und welches prompt konstruiert und eingesetzt wird und der König ist nicht bloß ein Kind, sondern ein infantiles Weichei, das sich für Londoner Mode interessiert und von einem untreuen Kardinal treudoof alle unerdenklichsten Dinge aufschwatzen lässt. Der Film ist mit so viel äußerem Sarkasmus beladen, dass es schwer fällt, auch nur daran zu denken, man sollte ihn ernst nehmen.

Tatsächlich aber ist der Film, sollte er diesen Zweck verfolgen, unglaublich gelungen: entgegen meiner Erwartungen hängt an jedem dritten Satz ein kleinerer oder größerer Scherz, die Charaktere sind amüsant und beizeiten etwas neben der Spur, es gibt Introvertierte, Extrovertierte, Schläger und Gepeinigte, Memmen und Arroganzbolzen… An sich die ganze Bandbreite. Und die schauspielerische Leistung war ebenfalls nicht ohne.

Orlando Bloom spielt, und das habe ich vorher nicht gewusst, ausgerechnet den Bösewicht und ich muss sagen: es steht ihm. Mit Spitzbart und Schnäuzer bewaffnet strotzt sein Gesicht förmlich vor Bösartigkeit, während, getreu dem Motto „Parodie“, sein Haar auffällig laufstegfähig wäre, und zwar bei den großen Modemachern der heutigen Zeit. Logan Lerman, von dem ich erst später erfahren habe, dass er den Hauptpart in Percy Jackson gespielt hat, wirkt im Film überaus reif und spielt die Rolle des aufmüpfigen Lausbuben durchaus überzeugend. Ebenso überrascht war ich von Milla Jovovich. Nach all den Filmen mit Resident Evil irgendwo drin hatte ich bereits den Verdacht, ihr wäre die Sprache gänzlich abhanden gekommen, doch siehe da! Sie spricht und wie sie es tut! Und natürlich spielen alle drei, wie auch die drei Musketiere (die in dem Film eigentlich eher eine Nebenrolle spielen), so endlos übertrieben, dass man einfach lachen muss! Es ist ein Spektakel, eine riesengroße Comedyshow, die zudem großzügig bestückt ist mit Actionszenen und Specialeffects.

Der 3D-Effekt hätte zwar nicht unbedingt sein müssen, die Szenerien im Film sind jedoch so schön, dass man sie sich nur all zu gern in 3D angucken möchte. Zwischendurch gibt es diese Momente, die den Zuschauer mit dem Film verbinden und ihn wünschen lassen, er könnte nur mal eben kurz in den Film hinein schlüpfen und sehen, was die da drin sehen.

Im Nachhinein denke ich, die Kritiker haben den Film einen Tick zu ernst genommen. Dies war keine Neuverfilmung des alten Klassikers, sondern eine längst fällige Neuinterpretation des Neuverfilmens von Klassikern. Für mich stand nicht die Geschichte selbst im Vordergrund, sondern fast schon eine Art Kritik daran, was heute eigentlich aus Filmen gemacht wird. Überall werden Dinge hinzu gedichtet, die nie da waren. Es wird gepfuscht, vermeidlich kundenorientiert nach passenden Schauspielern selektiert (ich erinnere mich mit Grauen an Transformers und die Wahl der weiblichen Hauptdarstellerin) und gepusht, bis keine Munition mehr da ist. Fast so, als hätten sich die Macher etwas dabei gedacht!

Aber wer weiß das schon.

Ich jedenfalls hatte großen Spaß. Um diesen Bericht dennoch nicht zu einseitig erscheinen zu lassen, füge ich hinzu, welche Mankos ich habe feststellen können.

1. Zwar ist die an sich nicht wirklich wichtig, dennoch hat sich die Geschichte an einigen Stellen zu abgehackt entwickelt. In dem einen Moment wird noch darüber diskutiert, wie man an den Wachen vorbei kommen soll, im nächsten sitzen sie bereits im Schiff kurz vor ihrem Ziel. Sollte dies Absicht sein, muss ich es dennoch als Manko deklarieren. Ein anderes Thema ist die sich rasend schnell entwickelnde Beziehung zwischen D’Artagnan und einer Hofdame, die, falls beabsichtigt, sehr gut ins Schema der Parodie passt.

2. Der fehlende „Rote Faden“: gleich in der ersten Szene taucht ein (vermeidlicher) Schlüsselmoment auf, der in der ersten Szene mit D’Artagnan weitergeführt wird. Den ganzen Film über habe ich darauf gewartet, dass dieser Moment weiter gesponnen und aufgedeckt wird, doch vergebens. Diesen roten Faden (der eine Beziehung zwischen D’Artagnan und den drei Musketieren hätte knüpfen können) habe ich wirklich vermisst.

3. Take That. Musste das wirklich sein? Schlimm genug, dass sie den Titelsong singen, im Vorspann bitten sie den Zuschauer darum, den Abspann mit anzusehen, um die neue Single bloß nicht zu verpassen. Das ist wirklich das größte Manko.

Allen, die neugierig geworden sind, kann ich nur eines empfehlen:

Geht mit keiner bestimmten Erwartung ins Kino, der Film verdient es, so objektiv wie möglich betrachtet zu werden. Viel Spaß!

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